Chronik

Wenn jemand das Datum 06. April 1961 hört, wird er kaum nachdenken, sondern eher sagen: „Ein Tag, wie jeder andere!“

Aber, liebe Freunde, weit gefehlt! Dieser 06. April 1961 ist so von Bedeutung, dass man ihn nicht sang- und klanglos übergehen sollte.

Mit diesen Worten begann das langjährige Vorstandsmitglied des Komitees Erich-Karl Stoiber, die von ihm im Jahre 1984 verfasste Chronik des Komitees. Leider verstarb Erich-Karl-Stoiber im Jahre 1993. Eine Fortführung seiner Chronik bis 1993 war ihm leider nicht mehr möglich. Dennoch sei er so oft wie möglich zitiert, denn wer kannte Ursprünge und Internas des Komitees so gut wie er.

An diesem Tag, dem 06. April 1961, wurde sozusagen ein Kind aus der Taufe gehoben, und dieses Kind hieß: Komitee Fastnachtszug.

Geburtsort: Gasthof Anker zu Höhr-Grenzhausen

Geburtsstunde: 23:00 Uhr

Gebärmütter- und Väter: insgesamt 8 Personen: Frieda Henkes, Uschi Keiner, Otto Georg Bühler, Werner Wirz, Albrecht Günther, Hans Galle, Dr. Kalpers und Walter Keiner.

Dieser Achter-Club hatte auch eine Satzung ausgearbeitet und unter §2 das Leitmotiv oder auch Vereinsprogramm festgelegt, das sich bis zum heutigen Tag nicht verändert hat, sondern lediglich ergänzt wurde.

Die Gründungssatzung lautete: >> Zweck des Vereins ist die Gestaltung und Organisation des jährlichen Fastnachtszuges in der Stadt Höhr-Grenzhausen und der damit im Zusammenhang stehenden Aufgaben auf gesamtstädtischer Ebene in Verbindung mit der gesamten Bevölkerung und allen Vereinen der Stadt. Das Komitee Fastnachtszug bemüht sich auch um die Pflege der Beziehungen zu den interessierten Vereinigungen der Nachbarorte<<.

1977 wurde dann hinzugefügt: >>Ferner ist der Verein zuständig für die Auswahl der Prinzenpaare und deren öffentlicher Proklamation<<

Lassen wird einige wenige Daten und Fakten Revue passieren und feststellen, dass das Komitee mit 8 Personen nunmehr Jahr für Jahr dafür gesorgt hatte, dass ein Karnevalszug durch die Straßen der Stadt ging. Unvergessen sind die Rosenmontags-Banketts – damals als einzige Komiteeeigene Veranstaltung, die seinerzeit im Kurhotel Jahr für Jahr stattfand, in der Ball-Dekoration der „Germania-Schützen“.

Unvergessen auch die Laudatien und Plaudereien des Otto Georg Bühler in einem Rahmenprogramm, in dem Dr. Nohr, Kurt Welson und Christo Bajew mitwirkten, ferner die örtlichen Büttenredner mit dem brillanten Otmar Metternich an der Spitze, oder die Bühler-Zwillinge mit ihrem Charleston. Ein Ballett gab es damals noch nicht. Das waren zu dieser Zeit noch Traumvorstellungen.

Im Jahre 1969 trat Otto Georg Bühler als 1. Vorsitzender nach 8 Jahren zurück.

Bei den erforderlichen Vorstandswahlen 1970 wurden gewählt: 1. Vorsitzender Werner Wirz, Geschäftsführerin Edith Nettstraeter, Kassierer Hans Galle. Außerdem hatte sich auch die Zahl der Mitglieder erweitert, als da waren: Steffi Presser, Rüdiger Remy, Edwin Breiden, Erich Breiden, Franz Huth. Erwähnt werden muss, dass der 1. Vorsitzende auch die Funktion des Präsidenten ausübte.

Werner Wirz, kurz W.W. genannt, war kein Mann von vielen Worten, sein häufigster Satz war: „Danke, danke danke!“

1972 schied Hans Galle als Kassierer aus, an seine Stelle trat Erich Breiden.

1974 ist dem Bericht der Jahreshauptversammlung zu entnehmen, dass sich der Mitgliederbestand auf 17 erhöht hatte mit Namen wie: Walter Knop, als 1. Vorsitzender, Werner Normann, Rudolf Michels, Günter Dietschmann, Roswitha Kiefer und viele andere mehr.

Im weiteren Zeitverlauf bis zum Jahre 1976 ergaben sich Unstimmigkeiten und Probleme mit der Finanzierung, so dass im Jahre 1977 eine Zäsur stattfand und – nach 15 Jahren – kein Zug ging.

Die treuhänderische Verwaltung des Vereinsvermögens hatten damals Willi Scheit als Geschäftsführer und Günther Blau als Schatzmeister übernommen.

Nach diesem „Zuglosen Jahr“ schrieb ein Mann namens Harry Kiefer einen Brief, in dem zu lesen stand: Jeder, der dafür ist, dass alljährlich ein Prinzenpaar amtiert, eine Proklamation, ein Fastnachtszug und ein Rosenmontagsbankett stattfindet, der möge mitmachen. Und so wurde am 25. März 1977 die Weiterführung der guten Sache möglich gemacht.

Eine neue Komitee-Ära begann mit dem Präsidenten Harry Kiefer an der Spitze, mit viel Schwung und Begeisterung für die Sache. Gedacht ist dabei an die Samstage mit der Straßenorgel, die Zugplakette als Sammlerserie, die Unterstützung beim Prinzenwagenbau, die von dem aktiven Kern getragen werden. Der Gesamtvorstand mit Willi Scheit als 1. Vorsitzenden blieben in den kommenden Jahren fast unverändert: 2. Vorsitzender Erich-Karl Stoiber, 1. Schatzmeister Günther Blau, 2. Schatzmeister Thomas Paulsen, Schriftführerin Monika Becker, Organisation Dieter Heine, Zeugmeister Volker Christopher, Beisitzer Walter Keiner, Rolf Starke, Karlheinz Knieper.

Im Jahre 1984 war die Komitee-Mannschaft auf 50 Personen angewachsen. In den Jahren 1986 und 1987 konnten trotz großer Anstrengungen keine „großen“ Prinzenpaare gefunden werden. Schuld hieran waren wohl in erster Linie die maßlos übertriebenen Gerüchte über die Höhe der Kosten eines Prinzendaseins.

1987 wurde Karlheinz Knieper zum 1. Vorsitzenden gewählt, der auch gleichzeitig die Aufgaben des fehlenden Präsidenten übernahm.

Glücklicherweise kann das Komitee seit 1988 wieder auf eine geschlossene Reihe von Prinzenpaaren zurückblicken. Sogar Bewerbungen und Zusagen für die kommenden Jahre liegen vor.

In diese Zeit fällt auch die Anerkennung der Gemeinnützigkeit des Komitees, die Vertiefungen der Beziehungen zu den anderen Vereinen durch eine Wiederbelebung des Karnevalistentreffs, die Teilnahme an den Kirmeszügen in Höhr und Grenzhausen, das Mitwirken an den offenen Stadtmeisterschaften der St. Sebastianus-Schützen und weitere Freundschaftspflege bis hin zu Vereinen aus Ransbach-Baumbach und Montabaur. Vereinsintern wurden die Wanderungen zum 01. Mai und das Abkochen an Buß- und Bettag sehr erfolgreich.

Besonders erwähnenswert ist der mittlerweile schon traditionelle Gottesdienst mit den Karnevalisten in der katholischen Kirche zu Höhr mit anschließendem Umtrunk im Pfarrheim.

Mit Ende der Kampagne 1994 legte Karlheinz Knieper sein Amt als 1. Vorsitzender nieder. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Komitee 67 Mitglieder.

In den nächsten 3 Jahren bis 1997 führte Willi Scheit als 1. Vorsitzender die Geschicke des Komitees. Auf der Jahreshauptversammlung im Mai 1997 trat Willi Scheit vereinbarungsgemäß als 1. Vorsitzender zurück. In den Neuwahlen dieser Jahreshauptversammlung wurde Dieter Heine, bis zu diesem Zeitpunkt als Organisationsleiter im Komitee verantwortlich, einstimmig zum 1. Vorsitzenden gewählt. Die Aufgaben als Organisationsleiter übernahm ab diesem Zeitpunkt Günter Dietschmann.

Es war der Aufbruch zu vielem Neuem in den kommenden Jahren im Komitee Fastnachtszug. Die Prinzenproklamation im Januar 1998 konnte man dann erstmals auch im regionalen Fernsehen verfolgen. Der Lokalsender WW-TV hatte diese Veranstaltung mitgeschnitten. Während dieser Proklamation präsentierten sich auch die Komitee-Damen erstmals in einheitlicher Garderobe. Auch die Komitee-Herren fielen mit ihren neuen weißen Hemden mit passender Fliege und Einstecktuch auf. Der Fastnachtszug wurde ebenfalls erstmals im Fernsehen übertragen und von Dietmar Gerharz moderiert.

In den drei Jahren danach erfolgte ebenfalls eine Fernsehübertragung.

Im November 1998 hatten wir fast die Situation, dass wir kein kleines Prinzenpaar für die anstehende Session gehabt hätten. Die offizielle Vorstellung erfolgte nur mit dem großen Prinzenpaar. Doch dank intensiver Aufrufe in der Presse, konnten wir einige Wochen später auch ein kleines Prinzenpaar vorstellen. Zur Jahrtausendwende hatte das Komitee 84 Mitglieder. Erwähnenswert ist auch, dass unser 1. Vorsitzende mit Gattin Inge als „Prinz Dieter II und Prinzessin Inge I von der Narrenzunft der Komiteeler“ das Prinzenpaar im Millennium-Jahr war. In diesem Jahr startete das Komitee auch die Präsenz im WorldWideWeb mit einem eigenen Internetauftritt. Nach jahrelanger Vorstellung der Prinzenpaare im Rathaus, erfolgte die Vorstellung im November zum ersten Mal im Keramikmuseum. Mit einem enormen Anstieg der Mitgliederzahl auf 94 ging es in das Jahr 2001. Im Rahmen des Rosenmontagsbanketts am 26.02.2001 wurde Manfred Zehe der „Höhr-Grenzhäuser Ehrenhut“ verliehen.

Rüdiger Remy erhielt für mehr als 4 Jahrzehnte verdienstvolle Aktivitäten rund um den Höhr-Grenzhäuser Karneval den Ehrenorden der Ex-Prinzen und des Komitee Fastnachtszug. Zur Prinzenproklamation im Januar 2002 lieferten wir einen tollen Show-Act mit der Show-Tanzgruppe „Fiesta Brasil“. Bekannt durch zahlreiche Auftritte bei namhaften Karnevalsgesellschaften im Raum Köln, Bonn und Düsseldorf sowie Auftritten bei Fernsehsendern wie WDR, RTL und SAT. 1.

Ein Jahr nach der tollen Show von Fiesta Brasil präsentierten wir einen weiteren Show-Act mit der "rassigen" Travestie-Show der Gruppe "Les Papillons". Ebenfalls bekannt durch zahlreiche Auftritte bei namhaften Karnevalsgesellschaften und Fernsehsendern, wie WDR, RTL und SAT. 1. Nach jahrelanger Abstinenz war es uns in diesem Jahr wieder gelungen, den Königsteiner Fanfarencorps für unseren Fastnachtszug als Highlight zu gewinnen. In 2003 vollzogen wir auch eine komplette Neugestaltung des Internetauftritts mit einer eigenen Adresse unter www.komitee-fastnachtszug.de Ebenso wurde das Zugprogrammheft einem neuen zeitgemäßen Design unterworfen und strahlt in farbigen Hochglanz-Outfit. In diesem Heft wurden dann auch erstmals alle Zugplaketten der vergangenen Jahre abgedruckt. Somit haben wir auch dazu beigetragen, dass unser Heft enorm an Wertigkeit dazu gewonnen hat.

Nach drei Jahren in Folge im Keramikmuseum erfolgte im November 2003 die Vorstellung der Prinzenpaare erstmalig im CeraTechCenter.

Das Show-Highlight der Proklamation im Januar 2004 verkörperte das Tanzballett des SV Fortuna Nauort. Die Gäste der Proklamation wurden ins Reich der Musicals verführt. „König der Löwen“, ein weltbekanntes Musical, präsentierte sich in farbenfroher Pracht absolut professionell auf der Bühne.

Im Rahmen des Ex-Prinzen-Empfangs-2004 wurde in den Töpferstuben in Zusammenarbeit mit den Ex-Prinzen, Harry Kiefer die Goldene Verdienstmedaille des RKK überreicht.

Premiere feierte das Rosenmontagsbankett mit seinem Starttermin. Erstmalig begann das Bankett um 14:11 Uhr. Gestandene Karnevalisten sagten sogar nach der Veranstaltung, warum man nicht schon vor 20 Jahren auf diese Idee gekommen wäre. Diese Uhrzeit hat sicherlich nur Vorteile, da man nun den Karnevalssonntag in vollen Zügen genießen kann, ohne sich um den nächsten Morgen Gedanken machen zu müssen.

In diesem Jahr wurde Dietmar Gerhards für seine Verdienste rund um den Karneval der „Zinnhannes-Kulturpreis“ verliehen.

Am heiligsten Datum der Narren, dem 11.11., wurden die Prinzenpaare der Stadt und Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen der Session 2005 offiziell vorgestellt. Diese fand erstmalig in der Aula der Keramik Fachschule statt. Mit 95 Mitgliedern geht das Komitee Fastnachtszug nun ins Jubiläumsjahr 2005. Vergleicht man diese Zahl mit der aus dem Jahre 1995 haben wir heute 59 % mehr Mitglieder. Oder anders betrachtet -> einen jährlichen Mitgliederzuwachs von 4,8 %. Das ist sicherlich eine stolze Entwicklung unseres Vereins in den letzten 10 Jahren. Zur Proklamation im Januar 2005 konnten wir ca. 800 Gäste begrüßen. So viele Gäste, wie noch nie. Das hatte einen Grund: Der Stargast des Abends war Johannes Kalpers, ein großer deutscher Star der Opernbühne und der Pop-Klassik. Er war zu Ehren seiner Schwester Martina („Prinzessin Martina die I. aus der feurigen Puszta“) nach Höhr-Grenzhausen gekommen.

Erwähnenswert war auch unsere Spendenaktion für die Menschen in Südostasien, die sicherlich die schlimmste Naturkatastrophe erleben mussten. Aus diesem Anlass hatten wir am Ein- und Ausgang Spendenbüchsen aufgestellt, in denen immerhin knapp 800,- Euro ihren Platz fanden. Zusammen mit den Spenden des Kinderprinzenpaares, dem großen Prinzenpaar, der Kollekte aus dem Fastnachtsgottesdienst, der Spendenaktion der KG Grau-Blau übergaben wir eine Spende in Höhe von 3.000,- Euro an Pfarrer Much, der diese Spende an die Hilfsorganisation „Caritas International“ weitergeleitet hat.

 

Im Jahr 2007 trat man an Dieter Heine heran und machte ihm die Kirmes im Stadtteil Höhr schmackhaft. Nach kurzem Überlegen war klar, dass das Komitee die Kirmes übernimmt

Gesagt getan, die Komiteeler gingen ans Werk und zauberten den Bürgern unserer Stadt bis 2011 Jahr für Jahr stimmungsvolle tolle Kirmes. Zu erwähnen sind neben den selbst gemixten Cocktails die Liveshows von den Alpenpiraten und Conny & the Snowbirds. Leider mussten wir im Jahr 2012 die rückläufige Kirmes in andere Hände übergeben.

 

Im Jahr 2009 wurde Dieter Heine nach 12 Jahren Amtszeit (heute Ehrenvorsitzedner) von Thorsten Hartmann abgelöst. Thorsten Hartmann, der seit 1995 im Komitee, zuletzt als 2. Vorsitzender Dieter Heine viele Jahre begleitete, wurde einstimmig zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt.

Der neue Vorstand u.a. mit Wolfgang Becker (2. Vorsitzender) und Rölke Schmidt (Kassierer) nahmen fortan das Ruder in die Hand.

 

Die bestehenden Freundschaften zu anderen Vereinen wurden weiter intensiviert, neue Freundschaften geschlossen und neue Kontakte geknüpft. Neben den interessanten und lustigen Ausflügen wurden regelmäßige Stammtische eingerichtet.

 

Wir schafften das Verständnis, dass der Karneval mit all seinen Fassetten nur gemeinsam zu bewältigen ist und so kann man voller Stolz behaupten, dass wir in der Karnevalshochburg Höhr-Grenzhausen eine große Familie sind!

 

Aber wie es manchmal in Familien ist, man bekommt Zuwachs und verliert liebgewonnene Menschen. So mussten wir im Jahr 2013 von unserem Vorstandsmitglied Beatrix Heisser Abschied nehmen. Ebenso traf uns im Jahr 2015 das Ableben von Wolfgang Becker unverhofft, sehr tief!

 

Mit der Neuwahl des Vorstandes im Jahr 2015 wurden Jörg Kiefer zum neuen 2. Vorsitzenden und Hans Sperber zum Presswart gewählt.

 

Somit setzt sich der Vorstand in den nächsten drei Jahren wie folgt zusammen:

Thorsten Hartmann (1. Vorsitzender), Jörg Kiefer (1. Vorsitzender), Rölke Schmidt (Kassierer), Frank Tielmann (Organisationsleiter), Nicole Weimann (Schriftführerin), Hans Sperber (Presse und Öffentlichkeitsarbeit), Birgit Gilles (Zeugwart), Walter Heisser, Ulla Trees-Kellerhaus (Beisitzer)

 

In den letzten Jahren hat das Komitee Fastnachtszug glücklicherweise einige “jüngere“ Mitglieder im Komitee begrüßen können. Stand heute bewältigen wir unsere Aufgaben mit 110 Mitgliedern. Auf Grund der Altersstruktur müssen wir weiter daran arbeiten, neue Mitglieder für die Sache zu begeistern, denn nur gemeinsam können wir das Brauchtum Karneval erhalten.

 

Beschließen wir die Chronik 55 Jahre Komitee Fastnachtszug mit einem Zitat von Albert Camus:

 

Die wahre Großzügigkeit der Zukunft gegenüber besteht darin, in der Gegenwart alles zu geben.